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Der Wohnungsbot: Lohnt sich der kostenlose Open-Source-Bot?

Der Wohnungsbot ist kostenlos, quelloffen und bewirbt sich automatisch — in Berlin, von deinem eigenen Rechner aus. Was das Kunstprojekt kann und wo seine Grenzen liegen.

Wohnly Redaktion
Ratgeber-Team
3. September 2026·6 Min. Lesezeit

Es gibt einen Wohnungsbot, der sich automatisch für dich bewirbt und nichts kostet: „Der Wohnungsbot" aus Berlin, quelloffen unter AGPL-3.0-Lizenz. Kein Abo, kein Konto bei einem Anbieter, kein Datenabfluss. Bevor du 20 bis 50 € im Monat für einen kommerziellen Dienst ausgibst, lohnt ein Blick darauf — und ein Blick auf die drei Bedingungen, die er stellt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Kostenlos und quelloffen unter AGPL-3.0. Der gesamte Quellcode liegt öffentlich auf GitHub.
  • Es ist ein Kunstprojekt. Der Bot ist der zweite Akt eines „Automatisierungsdramas in drei Akten" über die Wohnungssuche in Berlin — kein Startup-Produkt mit Support-Hotline.
  • Er läuft auf deinem Rechner, als Desktop-Programm für Windows, macOS und Linux. Kein Server, keine Cloud.
  • Nur Berlin. Das Projekt ist auf den Berliner Wohnungsmarkt zugeschnitten.
  • Drei Bedingungen: dein Rechner muss laufen, du musst mit einer Installation außerhalb der App-Stores zurechtkommen, und du musst hinnehmen, dass ein freiwillig gepflegtes Projekt brechen kann, wenn ein Portal sich ändert.

Was ist der Wohnungsbot?

Der Wohnungsbot ist eine freie Software, die die Berliner Wohnungssuche automatisiert: Er durchsucht Angebote nach deinen Kriterien und verschickt Bewerbungen, ohne dass du jedes Inserat einzeln anklickst. Der Berliner Tagesspiegel beschrieb ihn als „Wohnungsbewerbung auf Knopfdruck".

Entstanden ist er nicht als Geschäftsmodell, sondern als künstlerische Arbeit — als zweiter Akt („Das Versprechen des Bots") eines dreiteiligen Projekts über Automatisierung und Wohnungsnot. Diese Herkunft erklärt beides: die Kompromisslosigkeit, mit der er kostenlos bleibt, und die Tatsache, dass niemand vertraglich für seinen Betrieb einsteht.

Technisch ist es eine Electron-Anwendung, also ein klassisches Programm zum Installieren, gebaut für Windows, macOS und Linux. Das Repository zeigt mit über 400 Commits und laufenden Issues eine aktive Geschichte.

Was er kostet: nichts

Das ist keine Werbeformulierung, sondern die Lizenz. AGPL-3.0 ist eine starke Copyleft-Lizenz: Der Code ist frei einsehbar, veränderbar und weitergebbar, und wer ihn als Dienst anbietet, muss seine Änderungen offenlegen. Für dich als Nutzer heißt das schlicht: Es gibt keinen Tarif und kein Abo.

Zum Vergleich: Kommerzielle Dienste, die sich automatisch bewerben, kosten in Deutschland zwischen 19,99 € (Wohnly Starter) und 53,24 € im Monat (SnapFlat Pro). Über ein halbes Jahr Wohnungssuche sind das 120 bis 320 €.

Die drei Bedingungen

1. Dein Rechner muss laufen

Der Bot arbeitet lokal. Er kann nur bewerben, solange dein Computer eingeschaltet, wach und mit dem Internet verbunden ist. Ein zugeklappter Laptop bewirbt sich nicht.

Das ist die wichtigste praktische Einschränkung, denn genau der Zeitraum, in dem ein Bot seinen Wert entfaltet — nachts und während der Arbeitszeit —, ist der Zeitraum, in dem die meisten Rechner aus sind. Wer das ernsthaft nutzen will, braucht einen Rechner, der durchläuft: einen alten Laptop, der offen stehen bleibt, oder einen kleinen Server zu Hause.

Kommerzielle Dienste laufen dagegen in der Cloud und sind nicht davon abhängig, dass bei dir Strom fließt.

2. Installation außerhalb der App-Stores

Du lädst ein Programm von GitHub herunter und installierst es. Auf macOS und Windows bedeutet das in der Regel eine Sicherheitswarnung, die du wegklicken musst, weil die Software nicht über einen Store signiert kommt. Wer damit unwohl ist, sollte die Finger davon lassen — nicht weil das Projekt unseriös wäre, sondern weil man Software nur installieren sollte, wenn man versteht, was man tut.

3. Ein Freiwilligenprojekt kann brechen

Automatisierung auf fremden Websites ist ein bewegliches Ziel: Ändert ein Portal sein Layout, seine Anmeldung oder seinen Bot-Schutz, hört der Bot auf zu funktionieren, bis jemand ihn anpasst. Bei einem kommerziellen Dienst ist genau das die Leistung, für die du zahlst — dort sitzt jemand, dessen Aufgabe es ist, den Bot am Laufen zu halten. Bei einem Open-Source-Projekt passiert es, wenn jemand Zeit und Lust hat.

Prüfe deshalb vor dem Einsatz, wann zuletzt am Projekt gearbeitet wurde und ob offene Issues von aktuellen Problemen berichten.

Für wen lohnt sich der Wohnungsbot?

Er lohnt sich, wenn du in Berlin suchst, technisch versiert bist, einen Rechner hast, der durchlaufen kann, und wenn dir die Idee gefällt, ein Werkzeug zu nutzen, dessen Code du selbst lesen kannst. Dann bekommst du kostenlos, wofür andere zahlen.

Er lohnt sich nicht, wenn du außerhalb Berlins suchst, wenn dein Laptop abends zugeklappt wird, oder wenn du in den nächsten Wochen eine Wohnung brauchst und keine Zeit hast, im Zweifel selbst nach der Ursache eines Fehlers zu suchen.

Die Alternative, wenn eine der Bedingungen nicht passt

Wer die Automatisierung will, aber keinen dauerlaufenden Rechner hat oder außerhalb Berlins sucht, braucht einen Dienst, der serverseitig läuft. Wohnly bewirbt sich automatisch auf ImmoScout24 — bundesweit, ohne dass bei dir etwas installiert sein oder eingeschaltet bleiben muss. Sieben Tage kostenlos, danach ab 19,99 € im Monat.

Die ehrliche Einordnung: Der Wohnungsbot ist die günstigste Lösung, die es gibt. Er verlangt dafür etwas, das nicht jeder hat — Technikbereitschaft und einen Rechner, der nachts nicht schläft.

Mehr dazu: Benachrichtigung oder automatische Bewerbung? und Ist automatisches Bewerben erlaubt?

Häufig gestellte Fragen

Ja. Der Wohnungsbot ist freie Software unter der AGPL-3.0-Lizenz. Es gibt kein Abo, keine Premiumfunktion und keinen Anbieter, der abrechnet. Der komplette Quellcode ist öffentlich einsehbar.

Nein, das Projekt ist auf den Berliner Wohnungsmarkt ausgerichtet. Für andere Städte braucht es entweder eine eigene Anpassung des Codes oder einen bundesweiten Dienst.

Ja. Der Wohnungsbot ist ein Desktop-Programm auf Basis von Electron und arbeitet lokal auf deinem Rechner. Ist der Computer aus oder im Ruhezustand, verschickt er keine Bewerbungen. Das ist der größte praktische Unterschied zu kommerziellen Diensten, die serverseitig rund um die Uhr laufen.

Die Rechtslage hängt weniger am Bot als an den Nutzungsbedingungen des jeweiligen Portals. Manche Portale untersagen automatisierte Zugriffe in ihren AGB. Was das praktisch bedeutet und worauf man achten sollte, steht ausführlich in unserem Beitrag Automatisches Bewerben und die AGB.

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