Es gibt ein Dutzend Apps und Dienste für die Wohnungssuche in Deutschland, und auf den ersten Blick versprechen sie dasselbe: Du verpasst keine Wohnung mehr. Tatsächlich zerfällt der Markt in zwei Gruppen, die grundverschiedene Dinge tun — und deren Preise sich um den Faktor fünf unterscheiden. Wer das vor dem Abschluss nicht verstanden hat, zahlt entweder zu viel oder bekommt zu wenig.
Das Wichtigste in Kürze
- Melder benachrichtigen dich, wenn eine passende Wohnung erscheint. Sie kosten 0 bis 15 € im Monat und überwachen bis zu 21 Anbieter.
- Bewerber verschicken die Bewerbung selbst. Sie kosten 20 bis 53 € im Monat und decken weniger Quellen ab.
- Die richtige Frage ist nicht „welche App ist besser", sondern: Kannst du innerhalb von Minuten reagieren? Wenn ja, ist ein Melder unschlagbar günstig. Wenn nein, ist er wertlos.
- Fast alle Melder haben echte iOS- und Android-Apps mit Push. Fast kein Bewerber hat eine.
Gruppe 1: Die Melder
Ein Melder überwacht Portale und schickt dir eine Push-Nachricht, sobald ein Inserat zu deinen Kriterien passt. Manche legen dir zusätzlich einen vorbereiteten Bewerbungstext in die Zwischenablage. Abschicken musst du selbst, im Portal.
| Dienst | Preis/Monat | Anbieter | App |
|---|---|---|---|
| Immobilien Bot | 7,99 € | 20 | iOS + Android |
| Immobot | 9,99 € | 21 | iOS + Android |
| keymatch.ai | 14,95 € | „2.000 Quellen" | nein |
| HeyImmo (von Scout24) | 0 € | ImmoScout24 | nein |
| SnapFlat Basic | 20,64 € | 12, nur Berlin | nein |
Die Stärke dieser Gruppe ist beachtlich: 20 bis 21 überwachte Anbieter für unter zehn Euro, inklusive kommunaler Wohnungsgesellschaften wie degewo, SAGA Hamburg oder GWG München, deren Wohnungen auf den großen Portalen oft gar nicht erscheinen. Dazu Apps, die auch bei geschlossenem Bildschirm zustellen.
Gruppe 2: Die Bewerber
Ein Bewerber macht dasselbe wie ein Melder — und verschickt dann die Bewerbung. Du erfährst erst hinterher davon.
| Dienst | Preis/Monat | Anbieter | Region |
|---|---|---|---|
| Wohnly Starter | 19,99 € | 15 angebunden | bundesweit |
| SnapFlat Pro | 53,24 € | 9, nur Berlin | nur Berlin |
| traumwohnung.ai Plus | 24,99 € | 3 | bundesweit |
| traumwohnung.ai Unlimited | 49,99 € | 3 | bundesweit |
| Wohnly Pro | 39,99 € | 15 angebunden | bundesweit |
| WohnAutopilot | 24,99 € | Berliner Gesellschaften | nur Berlin |
| Der Wohnungsbot | 0 € (Open Source) | Berliner Gesellschaften | nur Berlin |
Hier fällt zweierlei auf: Die Preise liegen zwei- bis fünfmal höher, und die Zahl der abgedeckten Anbieter ist kleiner. Das ist kein Zufall. Eine Benachrichtigung auszulösen ist technisch einfach; eine Bewerbung über ein fremdes Portal-Konto abzuschicken ist es nicht — für jedes Portal braucht es eine eigene Anbindung, die auch noch gepflegt werden muss.
Die eine Frage, die entscheidet
Vergiss für einen Moment die Anbieterzahlen. Die Entscheidung hängt an deinem Kalender.
In München kommen im Schnitt rund 47 Bewerber auf eine Mietwohnung, in gefragten Vierteln wie Schwabing oder der Maxvorstadt 70 bis 120. Vermieter laden in aller Regel aus den ersten eingegangenen Bewerbungen ein, nicht aus den inhaltlich besten — weil nach zwanzig gleich guten Bewerbungen niemand mehr weiterliest.
Daraus folgt:
- Du kannst binnen Minuten reagieren — Homeoffice, Elternzeit, Studium, Schichtdienst mit freien Tagen? Dann ist ein Melder für 7,99 € die vernünftigste Ausgabe im ganzen Markt. Du bekommst mehr Quellen als jeder Bewerbungsdienst und zahlst ein Viertel.
- Du kannst es nicht — Vollzeitjob, Meetings, Kinder, Nachtruhe? Dann ist derselbe Melder fast wertlos. Du sammelst Benachrichtigungen über Wohnungen, die längst weg sind. Das Geld ist nicht zu viel, es ist umsonst ausgegeben.
Die Push um 3:12 Uhr ist nur dann etwas wert, wenn um 3:13 Uhr jemand wach ist.
Was ein Melder nicht ausgleichen kann
Ein häufiger Denkfehler: „Ich nehme den mit den meisten Portalen, dann sehe ich am meisten." Mehr Quellen erhöhen die Zahl der Wohnungen, von denen du erfährst. Sie erhöhen nicht die Zahl der Wohnungen, auf die du dich rechtzeitig beworben hast.
Wenn du pro Tag drei von zwanzig Meldungen in eine tatsächliche Bewerbung verwandelst, dann bringt dir der Sprung von 15 auf 21 überwachte Anbieter nichts — der Engpass sitzt nicht bei der Beobachtung, sondern bei dir.
Was ein Bewerber nicht kann
Auch umgekehrt gilt Ehrlichkeit. Automatische Bewerbung heißt nicht, dass jede Wohnung erreichbar ist:
- Nicht jedes Portal lässt sich automatisieren. Wohnly bewirbt sich automatisch auf ImmoScout24; bei den übrigen angebundenen Anbietern geht es zunächst um das Finden neuer Inserate.
- Manche Inserate sind gesperrt. Angebote aus dem ImmoScout24-Mieternetzwerk, bei denen man nur „Interesse bekunden" kann, setzen ein kostenpflichtiges Portal-Abo auf deiner Seite voraus.
- Genossenschaften haben eigene Formulare. Wo eine Wohnungsgesellschaft ein eigenes Bewerbungsformular mit Mitgliedsnummer verlangt, hilft kein Bot der Welt.
Ein Dienst, der dir das verschweigt, verkauft dir eine Erwartung, die er nicht einlöst.
Und die kostenlosen Optionen?
Zwei gibt es, und beide haben ihre Berechtigung:
HeyImmo kommt von Scout24 selbst, ist gratis und durchsucht ImmoScout24 in natürlicher Sprache. Es bewirbt sich nicht — aus naheliegendem Grund: Der Portalbetreiber wird keinen Dienst bauen, der das eigene Premium-Abo überflüssig macht.
Der Wohnungsbot ist ein quelloffenes Kunstprojekt aus Berlin, kostenlos und unter AGPL lizenziert. Er bewirbt sich tatsächlich automatisch — läuft aber als Programm auf deinem eigenen Rechner, deckt nur Berlin ab und setzt technische Bereitschaft voraus.
Fazit: erst der Kalender, dann die App
Die Gruppen sauber getrennt:
- Melder — günstig, viele Quellen, gute Apps. Voraussetzung: Du bist verfügbar.
- Bewerber — teurer, weniger Quellen, kaum Apps. Voraussetzung: keine.
Wer die Frage nach der eigenen Verfügbarkeit ehrlich beantwortet, entscheidet in dreißig Sekunden. Alles andere — Anbieterzahlen, Kartenansichten, Filteroptionen — ist Zubehör.
Wenn du zur zweiten Gruppe gehörst: Wohnly bewirbt sich automatisch auf ImmoScout24, sieben Tage kostenlos, danach ab 19,99 € im Monat.
Weitere Erfahrungsberichte: Immobilien Bot, Immobot, SnapFlat und Traumwohnung.ai.
Häufig gestellte Fragen
Eine Melde-App überwacht Portale und schickt dir eine Push-Nachricht, sobald eine passende Wohnung erscheint — die Bewerbung schreibst und verschickst du selbst. Ein Bewerbungsdienst übernimmt zusätzlich das Abschicken der Bewerbung, meist über dein eigenes Portal-Konto. Melde-Apps kosten 0 bis 15 € im Monat, Bewerbungsdienste 20 bis 53 €.
Nach Anbieterangaben Immobot mit 21 Quellen, dicht gefolgt von Immobilien Bot mit 20. Beide sind Melde-Apps, bewerben sich also nicht automatisch. Unter den Bewerbungsdiensten hat Wohnly mit 15 angebundenen Anbietern die längste Liste, gefolgt von traumwohnung.ai mit drei Portalen.
Das hängt davon ab, wie schnell du reagieren kannst. Da Vermieter meist aus den ersten eingegangenen Bewerbungen einladen, entscheidet die Zeit zwischen Inserat und Bewerbung. Wer binnen Minuten am Rechner sein kann, holt aus einer Melde-App für unter 10 € viel heraus. Wer tagsüber arbeitet, braucht einen Dienst, der die Bewerbung selbst verschickt — sonst zahlt er für Benachrichtigungen ohne Wirkung.
Ja, zwei. HeyImmo von Scout24 durchsucht ImmoScout24 gratis, bewirbt sich aber nicht. Der Wohnungsbot ist ein quelloffenes Berliner Projekt unter AGPL-Lizenz, das sich automatisch bewirbt — allerdings nur in Berlin, als Programm auf dem eigenen Rechner und mit etwas technischem Aufwand. Beide sind ernsthafte Optionen, wenn ihre jeweilige Einschränkung zu dir passt.
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Wohnly durchsucht ImmoScout24 rund um die Uhr und bewirbt sich in Minuten — mit deinen Daten, deinem Anschreiben.